Teamunterricht

"Warum Lehrerteams?" Das pädagogische Konzept unserer Unterstufenarbeit
Für jede einzelne unserer unteren Klassen fühlt sich nicht nur ein Klassenlehrer, sondern ein Team aus 2-3 Kollegen verantwortlich.


Vorteile dieses Konzeptes:

1. Der Übergang von der Grundschule zum Gymnasium wird erleichtert.

Die Umstellung vom Klassenlehrerprinzip der Grundschule zum Fachlehrerprinzip am Gymnasium bringt es mit sich, dass die Schüler nicht mehr überwiegend einen Lehrer haben, der sie gut kennt und täglich begleitet. Das ist für manche Kinder spannend, für andere eher verwirrend. Sie sehen ihren neuen Klassenlehrer häufig nicht mehr jeden Tag. Durch die Teams hat jede Klasse mehrere persönliche Ansprechpartner, die eng zusammenarbeiten, die Klasse gut kennen und ein einheitliches pädagogisches Konzept verfolgen. In der Regel hat die Klasse mindestens einen der Teamlehrer pro Tag im Unterricht.

Durch die gemeinsame Arbeit mit der Klasse kann auch Schülern, die mit dem Übergang besondere Probleme haben, gezielter geholfen werden. Hier ist uns eine intensive Zusammenarbeit mit den Eltern besonders wichtig, um Schwierigkeiten früh zu erkennen und gemeinsam anzugehen. Auch diese Zusammenarbeit wird dadurch erleichtert, dass mehrere Lehrer die Klasse betreuen.

2. Die Schüler/innen können besser und gezielter begleitet und gefördert werden.

In wöchentlichen Teambesprechungen tauschen sich die Teamlehrer über Entwicklungen der Klasse und einzelner Schüler aus, koordinieren das pädagogische Konzept und stimmen die Zusammenarbeit mit den Eltern untereinander ab. Sie planen gemeinsame Unterrichtsprojekte, wie z.B. Freiarbeit und außerunterrichtliche Aktivitäten, wie Ausflüge, Exkursionen, Feste und Schullandheimaufenthalte ( Geplanter Link zu entsprechenden Fotos)
Die enge Zusammenarbeit hat sich als eine Zeitinvestition herausgestellt, die sich für alle Beteiligten auszahlt:

  • Der gemeinsame Blick auf die Schüler einer Klasse ermöglicht eine genauere und differenziertere Einschätzung
  • Die Entwicklung von Konzepten ist im Team ideenreicher, vielfältiger ( und vergnüglicher :-)
  • Die Begleitung und Förderung der Kinder und Jugendlichen wird dadurch insgesamt gezielter und gewinnbringender
  • Die Zusammenarbeit mit den Eltern wird v.a. in Klasse 5 ( und später nach Bedarf) intensiver gestaltet

3. Die Schüler/innen erwerben in Teamstunden fächerübergreifende Kompetenzen.

Ein weiterer Schwerpunkt der Zusammenarbeit liegt in der wöchentlichen Teamstunde mit der Klasse, die manchmal von einem der Teamlehrer, manchmal aber auch gemeinsam gehalten wird.
Für diese Stunden hat das Gymnasium Hechingen ein eigenes Curriculum entwickelt, das den altersgemäßen Erwerb verschiedener fächerübergreifender Kompetenzen zum Inhalt hat, ständig weiterentwickelt wird und bis jetzt für Klasse 5-8 vorliegt. Folgende Lernfelder werden in den Teamstunden behandelt:
Lern- und Arbeitstechniken ( "Lernen lernen")
Beschaffung, Aufbereitung und Präsentation von Informationen ( auch mit informationstechnischen Grundlagen)
Kommunikationsfähigkeit ( z.B. Zuhören, Frage- und Antworttechniken, Argumentationstechniken, Partner- und Gruppenarbeit)
Sozialkompetenz ( z.B. Umgang miteinander, Konfliktlösungsstrategien)
Außerdem setzt jedes Team eigene Schwerpunkte. In Klasse 5 gehört z.B. auch die Orientierung in der neuen Schule und der neuen Klasse, die Klassenzimmergestaltung und ähnliches dazu
Viele Kollegen des Gymnasiums bestätigen inzwischen positive Auswirkungen auf das Klima in den Klassen und die Selbstständigkeit und Sicherheit der Schüler im Umgang mit verschiedenen Lernanforderungen. Diese Rückmeldungen bekommen wir auch von Elternseite.

4. Last not least: Schüler und Eltern haben mehr Ansprechpartner

Nicht jeder kann mit jedem - durch das Team haben Schüler und Eltern meist sehr unterschiedliche "Lehrertypen" als Ansprechpartner zur Auswahl.

Zur Geschichte der Teamarbeit an unserer Schule

Die Anfänge

"In den fünften Klassen des Gymnasiums ist eine stille Revolution im Gange: Es gibt sie (nominell) noch, die herkömmlichen Klassenlehrer, praktisch aber erfüllt ihre Rolle - und noch einiges darüber hinaus - jeweils ein Team." So konnte man im Februar 99 in der Lokalpresse lesen.

"Kinder stark werden lassen" war der Titel des Projektes, das einige engagierte Kolleg/innen unserer Schule unter Federführung von Herrn Beck (+) und Herrn Breitsprecher zunächst von 98 - 2000 mit finanzieller Unterstützung durch das Landratsamt in Angriff nahmen.

Vorausgegangen waren Fortbildungen zum Thema Suchtprophylaxe ehe man "Nägel mit Köpfen" machte: Für jede 5.Klasse sollte nicht mehr ein Klassenlehrer alleine zuständig sein, sondern ein Team von 2-3 Kollegen, die sich in allen fächerübergreifenden Belangen gemeinsam für die Klasse verantwortlich fühlen sollten. Ziel war es, die Schülerinnen und Schüler in ihrer Persönlichkeitsentwicklung in Richtung Selbstständigkeit, Vertrauen auf eigene Fähigkeiten zu fördern und ihr Selbstwertgefühl mit präventiven Ansätzen zu unterstützen und zu stärken.

Konkret bedeutete die Teamarbeit zunächst einen persönlicheren Einstieg für unsere "Kleinen", eine intensivere Elternarbeit, eine geschlossenere pädagogische Konzeption für die Klasse und mehr fächerübergreifende Projekte wie z.B. Freiarbeit. Und für die beteiligten Kollegen bedeutet die enge Zusammenarbeit intensiven Austausch und damit mehr Sicherheit in der pädagogischen Arbeit oder bei methodischen Neuerungen.

"Gemeinsam sind wir stark" - das Gymnasium entwickelt ein eigenes Teamprofil

Von Anfang an war klar, dass sich die Teamlehrer gut verstehen müssen. Die Bildung der Teams erfolgt daher grundsätzlich freiwillig. Von Seiten der Schulleitung wird die Teambildung dadurch unterstützt, dass Kollegen, die als Team antreten, "Vortritt" bei der Vergabe der Lehraufträge genießen.

Während die inhaltlichen Schwerpunkte wie Freiarbeit, Lerntechniken, Elternarbeit, Klassengemeinschaft u. ähnl. anfangs von den Teams selbst festgelegt wurden, haben wir mittlerweile das erwähnte verbindliche Curriculum.

Zudem wurde die Teamarbeit von Beginn an durch gezielte Fortbildungsmaßnahmen begleitet.
In der Anfangsphase wurden verschiedene Methodentrainings und begleitende Seminare durch Referent/innen des Oberschulamtes angeboten.

Parallel dazu entstand eine Supervisionsgruppe für Lehrer unserer Schule, die mit wechselnden Supervisorinnen bis heute besteht.

Und im November 2006 hat ein Viertel des Kollegiums und damit ein Großteil der aktiven Teamlehrer- mit Unterstützung des Lionsclubs die Basisfortbildung "Lionsquest" absolvieren können. Lionsquest ist ein Programm zur prophylaktischen Stärkung der Jugendlichen beim Erwachsenwerden. Elemente dieses Programmes haben auch in unser Methodencurriculum Eingang gefunden.

Aus dem Projekt Teamarbeit ist inzwischen nicht zuletzt dank tatkräftiger Unterstützung seitens der Schulleitung, positiver Rückmeldungen aus der Elternschaft und vieler kleiner und großer pädagogischer "Erfolge" im Schulalltag eine feste Einrichtung an unserer Schule geworden.

Mit Einführung des achtjährigen Gymnasiums sind ein Teil der "Poolstunden", die jede Schule zur Verfügung hat, um eigenständige Schwerpunkte zu setzen, fest für unsere Teamarbeit installiert worden: Mittlerweile haben alle Klassen 5 - 8 eine Teamstunde pro Woche, die von den Teamlehrern gemeinsam geplant und einzeln oder gemeinsam gehalten wird. Grundlage und Zielsetzung dieser Stunden sind im Methodencurriculum festgehalten. Neben dem Erwerb von sozialen Kompetenzen, dem Einüben von Konfliktlösungsstrategien und der Entstehung eines positiven Klassenlebens stehen Lernen lernen, Präsentationstechniken, Dialog- und Argumentationsfähigkeit auf dem Programm.

Unsere Schule hat die Gelegenheit im Rahmen des G8 ein eigenständiges Profil zu entwickeln genutzt und das Teamkonzept noch stärker im Schulleben verankert. So können wir insbesondere auf die jüngeren Jahrgänge, v.a. aber auf unsere Fünftklässler gezielt und umfassend eingehen.