Theateraufführung - Geld oder Kunst?

Am Montag, den 09.05.2016, hat der Literatur und Theater Kurs der Jahrgangsstufe 12 des Gymnasium Hechingen seine Abschlusspräsentation aufgeführt: II Annas und I Haus, frei nach Bertold Brechts „Die sieben Todsünden der Kleinbürger“. Mitgespielt haben: Annika Bakos, Jaqueline Canga, Larissa Kist, Julia Prozmann, Sabine Rockenstein, Till Steinfort, Fabienne Thoy und Melissa Tunca. Unterstützt wurden sie bei der Aufführung von Schülerinnen und Schülern der Theater AG und des Kurses der Jahrgangsstufe 11.

Die letzten Wochen hatte sich der Theaterkurs mit den Theatertheorien Bertold Brechts und den sieben Todsünden auseinandergesetzt. Was sind Todsünden? Die kirchliche Lehre benennt diese: Faulheit, Stolz, Völlerei, Habsucht, Zorn, Unzucht und Neid. Und wir alle haben eine bestimmte Vorstellung davon, was darunter zu verstehen ist. Bertold Brecht interpretiert diese aber ganz anders als wir meinen: Faulheit ist, wenn man kein Unrecht begeht; Stolz bedeutet, sich nicht selbst zu verkaufen und Unzucht ist selbstlose Liebe.
Der Literatur und Theaterkurs hat sich dieses Themas angenommen und ermöglicht den Zuschauern einen Blick auf diese Todsünden: Eine Familie will ein Haus bauen. Dazu braucht sie Geld. Wie soll man das beschaffen? Glücklich, wer begabte Töchter hat und diese wegschicken kann, um das nötige Kleingeld zu beschaffen. Die Mädchen, beide heißen Anna und sind eigentlich nur eine, begeben sich auf die Reise, um ihr Talent als Schauspielerinnen zu beweisen und um Karriere zu machen. Dies gelingt ihnen, allerdings müssen sie einen hohen Preis dafür bezahlen: Sie müssen ihren Stolz aufgeben und nicht ihre Kunstfertigkeit zeigen, sondern, das was der Produzent und Filmemacher von ihnen verlangt und was das Publikum sehen will. Dabei erfahren sie: Geld und Sex regiert die Welt. Träume von großen Zielen und der wahren Liebe bleiben auf der Strecke.

Als Bühne diente der ambitionierten Truppe der Altbau des Gymnasiums. Es wurden der schöne, im Jungendstil erbaute Raum vor dem Rektorat, der Treppenaufgang und die Zwischengeschosse bespielt. Das Publikum musste die einzelnen Szenen begleiten, nicht nur, indem es immer wieder den Schauspielern zu den einzelnen Orten folgte, sondern auch, indem es aktiv in das Geschehen eigebunden wurde und die einzelnen Szenen lautstark durch inszenierten Zwischenrufe unterstützte. Das Spiel endet, als die Mädchen erschöpft nach Hause kommen in der Hoffnung auf Ruhe und Erholung; die Familie aber hat andere Pläne: Schaffe, schaffe Häusle baue und net nach den andre schaue….und wenn unser Häusle erst mal steht, dann gibt’s no lang koi Ruh, denn dann sparten mir für ä Auto und ä Yacht.