Kreisliga -Wenn der Fußball zur Nebensache wird!

Eine selbstgeschriebener GFS-Text aus der 11. Klasse

 

„FC Bayern(,) Stern des Südens(,) du wirst niemals unter gehen, weil wir in guten wie in schlechten Zeiten zueinander stehen. FC Bayern...“. Ich holte mit dem rechten Arm aus und schlug auf meinen Wecker. Ich nahm ihn wieder zu mir und hielt meinen Kopf. Die Schmerzen waren kaum auszuhalten. Ich hatte wohl am Abend davor mal wieder zu tief ins Glas geschaut. Mit Mühe und Not riss ich meine Augen auf. Ich blickte dabei an die Decke und sah das aufgemalte Bayern(-]Wappen. Meine Erinnerungen kamen mit jedem Blinzeln immer mehr zurück. Wir waren Championsleague(-)Sieger. Die Rede war natürlich nicht von meinem Amateurverein, in dem ich seit der F-Jugend spielte, nein es war der Verein(,) für den mein Herz schlug. Dem FC Bayern München. Doch bevor ich auch nur einen Gedanken an den triumphalen, gestrigen Abend verschwenden konnte, wurde ich von einer krächzenden Stimme gestört. Meine Frau rief […] (mich) zum Frühstück. Langsam setzte ich mich auf und versuchte(,) auf die Beine zu kommen. Es kam mir vor(,) als wäre ich noch nicht ganz nüchtern. Ich taumelte die Wendeltreppe zur Küche hinunter und sie machte den Anschein, als würde sie nicht mehr aufhören. Wieder schrie meine Frau wie eine Verrückte[…](:) ,,Kommst du endlich(,) Martin!“. Dieses Mal entgegnete ich ihr mit einem lauten ,,Jaaa, gib Ruhe!!!“. Ich wusste einfach(,) wie ich mit Frauen umzugehen […] (hatte,) und auch meine Frau wusste spätestens jetzt, welche Stunde es geschlagen hatte. Der Kaffee stand bereits auf dem Tisch und auch frische Brötchen hatte meine Frau bereits geholt. Bevor ich mich jedoch hinsetzte(,) suchte ich nach einer Kopfschmerztablette, sah jedoch noch zu verschwommen(,) um die Schachtel finden zu können. Ich drehte mich zu meiner Frau um, um sie danach zu fragen, merkte jedoch schnell, dass sie nicht so gut auf mich zu sprechen war. Also setzte ich mich vorerst mucksmäuschenstill an meinen Platz. Die Stimmung war im Keller. Wir sagten uns nicht einmal guten Morgen. Ich nahm die Thermoskanne, die ich selbst Tage zuvor mit rot-blauen Streifen verziert hatte und goss mir Kaffee in meine Bayern(-)München(-)Tasse ein. Ich hörte das Plätschern des Kaffees und wagte einen Blick zu meiner Frau(,) die direkt gegenüber von mir saß. Sie würdigte mich jedoch keines Blickes, sondern strich leicht gereizt das Nutella auf ihr Vollkornbrot. Neben mir auf dem Tisch lag mein Handy. Ich machte es an und gab […] (die) PIN ein. Meine fettigen Croissant(-)Finger hinterließen auf dem Display eine Zahlenkombination. Zu erkennen war 1,9,0,0. Das Gründungsdatum vom FCB. Ich schaute auf die Uhr. Es war bereits 11.30Uhr. Geschockt und voller Entsetzen warf ich mein zur Hälfte gegessenes Croissant auf den Teller, zog einen Sprint an, quer durchs Haus und die Wendeltreppe wieder hinauf in unser Schlafzimmer. Ich kam mir vor wie Usain Bolt, allerdings mit einem bereits ansetzenden Bierbauch. Meine Kopfschmerzen schienen durch den Wind wie weggeblasen und ich fühlte mich fitter denn je. Das war auch gut so, denn ich hatte fast unser Meisterschaftsspiel verschlafen. Heute ging es für die Mannschaft und mich um alles.

Es war das Spitzenspiel in der Kreisliga B, erster gegen zweiter. Uns trennten genau zwei Punkte und es war der letzte Spieltag. Wir spielten zwar nur um den Aufstieg in die zweit schlechteste Liga, dennoch zauberten wir jedes Spiel einen Fußball auf den Rasen, dass sogar Joachim Löw dumm aus der Wäsche schauen würde. Unser Spiel war geprägt von feinstem Tiki-Taka(,) gemischt mit […] (aggressivem) Verteidigen, welches wir von unserem Nachbarverein Türk Gücü abgeschaut hatten.

Ich zog meine Adidas(-)Tasche aus dem Schrank und warf hektisch meine Fußballsachen hinein. Die Tasche roch nach trockenem Gras, da ich meine Kickschuhe am Vorabend nicht geputzt hatte. Ich zog meinen Schlafanzug aus und holte meinen Trainingsanzug aus dem Schrank, zog ihn an, nahm die Tasche und ging zu meinem Auto. Ich schleuderte sie über meine Schulter in den Wagen und stieg ein. Im Sommer fuhr ich immer mit dem Cabrio, um einen auf dicke Hose machen zu können. Ich schloss mein Handy an meine Anlage an und drehte voll auf. Trotz heulendem Motor meines Porsches und der lauten Musik hörte ich meine Frau aus dem Küchenfenster schreien ,,Pass auf dich auf! Ich komm dann später zum Spiel!“ Ich drückte auf das Gaspedal und fuhr mit rund 80 Sachen durch die […] (Tempo-30-Zonen) unseres kleinen Bauerndorfes. In 300 Metern Entfernung sah ich einen Traktor vor mir fahren. Es war schwer zu erkennen, doch ich war der Meinung es sei Gustav. Er war Bauer und gleichzeitig unsere Nummer eins im Tor. Er fuhr regelmäßig zu Heimspielen mit dem Traktor, wie eigentlich fast alle meiner Teamkollegen. Ich gab meinem Baby also noch einmal einen Tritt. Als ich auf 100 Meter ran war, sah ich vor Gustav eine ganze Traktorkolonne. Es war unser komplettes Team, das auf Traktoren angerollt kam. Langsam bremste ich meinen Porsche ab und fuhr dichter an Gustav heran. Er hatte einen Hänger dabei und darauf […] (sieben Kästen Oettinger-Billig-Bier) gestapelt. ,,Vorausschauendes Fahren, was Gusti?“, schrie ich über meine leicht verschmierte Frontscheibe nach vorne. Der […] (Weg) zu unserem Stadion führte an einem Swingerclub vorbei. Wie immer begann bei meinen Mannschaftskollegen auf den alten verrosteten Traktoren vor mir ein Hupkonzert. Sie schienen sichtlich amüsiert zu sein und hupten sogar gut 500 Meter später immer noch mit ihren alten Maschinen.

An unserem Stadion angekommen begrüßten wir uns mit einem kräftigen Händedruck. Es war perfektes Fußballwetter. 18°C und Sonnenschein. Auf unserer Haupttribüne erkannten wir bereits unseren Coach. Mit kritischen Augen betrachtete er die Arbeit unseres Platzwartes, der soeben den Platz mit einem von uns rot-weiß angemalten Aufsitzmäher präparierte. Wir hatten uns nach dem letzten Kabinenfest einen kleinen Spaß erlaubt und den Mäher mit unseren Vereinsfarben […] des FC Deppenhausen angemalt. Der Platz schien von außen […] (bundesligareif,) und auch beim Betreten des Rasens trat eine große Vorfreude in unseren Köpfen auf. Unser Trainer rief uns zusammen und schickte uns in die Kabine.

Nun galt es(,) volle Fokussierung auf das Spiel zu legen(,) um eine perfekte Vorbereitung zu gewährleisten. Es war ruhig geworden in der Kabine, sodass wir unseren Trainer den Gang entlanglaufen hörten. Er öffnete die Tür zu unserer Kabine, an der bereits die Aufstellungstafel mit Tesastreifen befestigt war. Derweil trafen auch unsere Kontrahenten ein. Lautes Gelächter machte sich in den gegnerischen Reihen breit. Es war unsere Hoffnung, dass sie das Spiel nicht so ernst nahmen, wie wir das taten, denn im Hinspiel unterlagen wir der Spielgemeinschaft aus Hartheim knapp mit zwei zu eins. Unser Trainer klatschte wie immer dreimal in die Hände und bat um Ruhe, so wie er es vor jedem Spiel tat. Doch ich merkte, dass auch er trotz seiner Trainererfahrung sehr angespannt war. Ich sah vor mir ein schweißtreibendes Gesicht, dass ich zuvor von ihm noch nicht kannte. Die Anspannung war nun allerdings auch in der ganzen Mannschaft zu spüren. Keiner gab auch noch einen […] (Mucks) von sich. Wir starrten alle vor uns auf den Boden, der von uns selbst gefliest war und hörten unserem Coach gespannt zu. Er bereitete uns immer perfekt auf das Spiel vor, er kannte jeden Spielzug unseres Gegners, alle Stärken und alle Schwächen. Er war ein wahrer Taktik-Fuchs. Wir nannten ihn unseren Kreisliga-Pep. ,,Martin, du machst heute die rechte Seite! Pass auf die Nummer 7 auf. Arbeite konzentriert mit nach hinten und setze Akzente nach vorne. Ich will heute mindestens ein Tor von dir sehen mit deiner rechten Klebe!“, so die taktischen Anweisungen meines Coachs an mich. Ich war zufrieden mit meiner Aufgabe und meiner Position und freute mich immer mehr auf die Partie. ,,Auf geht’s Jungs!“ schrien wir gemeinsam und klatschten in unsere leicht verschwitzten Hände. Wir waren gut drauf, das merkte ich.

Wir liefen durch den schmalen Gang der Katakomben, vorbei an der gegnerischen Kabine. Auf den Fliesen des Ganges machten unsere Eisenstollen angsteinflößende Geräusche. Es war still geworden. Kein Gelächter mehr des Gegners und auch bei uns herrschte Ruhe. Die Wände waren kalt und dreckig. Wir bogen links ab […] (und) liefen die steile Treppe hinauf auf unser Feld. Es war kühler geworden. Ein frischer Wind zog durch das Stadion und in der Ferne sahen wir, wie dichte Wolken sich näherten. Hinter mir ein dumpfes Geschrei. Ich hörte, wie die Türe hinter uns aufschlug und gegen die Wand knallte. Ich drehte mich um und sah die ersten Spieler. Ich schaute ängstlich in ihre Gesichter. Von Spaß war nichts mehr zu sehen. Ich drehte mich wieder um, schaute nach links und nach rechts. Unser Platzwart war soeben fertig geworden. Er parkte […] (seinen) Aufsitzmäher in der Garage neben dem Vereinsheim. Ich hörte die letzten Umdrehungen des Messers, dessen Geräusche durch die Garage lauter wurden. Auf den Rängen waren die ersten Zuschauer zu sehen. Ich schaute auf unsere etwas ältere und verdreckte Anzeigetafel. Es war 13.28 Uhr. Noch 32 Minuten bis zum Anpfiff. Die Anspannung stieg immer mehr. Ich begann mich aufzuwärmen und spielte mit Torsten lange Bälle über den halben Platz. In meinem rechten Augenwinkel sah ich den Schiedsrichter auf den Platz laufen. Er trug schwarze Stutzen, eine schwarze Hose und hatte ein hellgelbes Oberteil an. Seine Kickschuhe waren pink und passten absolut gar nicht zu seinem Outfit. Ich kannte den Schiedsrichter von früher. Er kam aus dem Nachbardorf und hatte mir vor zwei Jahren die rote Karte gezeigt. Völlig überzogen, denn ich hatte ihn lediglich Blindschleiche und Misthaufen genannt. Ich […] (bin den Meinung,) es traf auch auf ihn zu. So sahen es damals alle Zuschauer, als er nicht auf Handelfmeter entschied. Ich schaute erneut auf die Anzeigetafel. Noch 19 Minuten. Es war an der Zeit(,) sich zu dehnen. Wir versammelten uns zu einem großen Kreis auf Höhe der Mittellinie. Wir machten immer dieselben Übungen, so auch heute. Wir versuchten(,) alles so zu machen wie immer, doch es fiel uns schwer. Der Druck war groß und die Anspannung zu spüren. Wir versuchten(,) cool zu bleiben, uns nicht anmerken zu lassen(,) wie nervös wir doch waren. Ich schaute mich erneut um und mein Blick blieb auf der anderen Spielfeldseite kleben. Ich sah mehrere Spieler, die ich aus dem Hinspiel nicht kannte. Sie schienen technisch sehr stark zu sein und auch körperlich waren sie sehr robust. Mein Blick ging weiter und ich sah meine Frau in der Ferne aus dem Auto aussteigen. Sie sah mal […] (wieder) blendend aus. Ich hatte mit Abstand die schönste Frau im Dorf. Sie trug hohe Schuhe und eine enge, schwarze Lederhose. Außerdem hatte sie heute ihr neues, pinkes, bauchfreies Oberteil an, […] (das) sie vor zwei Tagen bei Zalando bestellt hatte. Ein lauter Pfiff unterbrach meine schönen Gedanken an heute Abend. Unser Trainer wollte, dass wir uns noch einmal in der Kabine versammelten. Wir liefen wieder die Treppe hinunter, dieses mal nach rechts, zwischen den kalten Wänden der Katakomben hindurch und in unsere Kabine.

Er machte uns noch einmal heiß auf das Spiel. So laut hatte ich ihn noch nie erlebt. Er war wie ausgewechselt. Aber es war gut so! Ich merkte, wie uns der Tritt in den Hintern gut tat. Es waren nur noch wenige Minuten bis zum Anpfiff. Ich machte mich spielbereit, schob meine Schienbeinschoner in die Stutzen und klebte diese mit Kreppband fest. Einmal unten und einmal oben um meine Waden herum. Währenddessen hörte ich bereits unsere Gegner aus der Kabine laufen und ich versuchte(,) nicht an die Niederlage aus dem Vorspiel zu denken. Wir wussten alle, dass die Spielgemeinschaft aus Hartheim klarer Favorit war, doch es war heute der perfekte Tag(,) um Geschichte zu schreiben. Ein lauter Schrei von unserem Kapitän Frank unterbrach meine Gedanken. ,,Auf geht’s Jungs, holen wir uns das Ding!“, (sagte er) und […] klatschte lautstark in die Hände. Wir machten uns auf den Weg. Ich schlug die Türe auf und ging vorraus. Schweißperlen tropften über meine leicht verschnupfte Nase vor meine Füße. Ich kämpfte seit Tagen mit einer Erkältung, doch das sollte keine Ausrede sein. Ich lief weiter. Die Stufen hinauf und ich hörte allmählich unsere Vereinshymne, immer lauter. Auch unsere Fans hörte ich nun lautstark. Noch vier, drei, zwei Stufen. Jetzt konnte ich allmählich aufs Feld sehen. Jubelschreie unserer Fans begleiteten mich aufs Spielfeld. Gegner und Schiedsrichter warteten bereits ungeduldig. Wir ließen uns jedoch nicht groß von den grimmigen Blicken des Schiedsrichters beeindrucken. Ich genoss die Stimmung und blickte mich um, als ich den ersten Fuß auf den gut bewässerten Rasen setzte. Das ganze Stadion war voll. Gut es wunderte mich nicht, da sich der ganze Ort angekündigt hatte. Rund dreitausend Zuschauer ließen sich das Spektakel nicht entgehen.

Mit kleiner Verspätung pfiff dann auch der Unparteiische bei einsetzendem Regen die Partie an. Meine Frisur war innerhalb von wenigen Sekunden zerstört, doch ich blieb konzentriert und versuchte die Aufgaben, die mir mein Trainer auf den Weg mitgegeben hatte, zu erfüllen. Von Beginn an war zu merken, dass sich beide Mannschaften nichts schenken wollten. Wir standen kompakt in der Defensive und Hartheim drängte häufig nach vorne, um ein Verspielen der Tabellenführung zu Nichte zu machen. An Torchancen gab es in der ersten halben Stunde nicht viel zu notieren. Bis auf einen Distanzschuss meinerseits kam es auf beiden Seiten lediglich durch Standardsituationen zu Bewegungen in den Strafräumen. Nicht verwunderlich, dass es dann aber durch eine Unaufmerksamkeit in der Hartheimer Vorwärtsbewegung zum ersten Tor des Tages kommt. Kapitän Frank wurde über rechts geschickt, […] (drang) in den Strafraum ein und legt uneigennützig quer auf Krause, unser einziger Stürmer, der den Ball kontrolliert und dann locker über die Linie drückte. Mit diesem Tor waren wir mit einem Fuß in der Kreisliga A. Die Aktionen der Gäste wurden hektischer und es war ihnen anzumerken, dass sie nun immer unsicherer wurden. Wir hingegen tankten Selbstvertrauen und mit jeder Minute, die von der Uhr ablief, stiegen unsere Chancen zur Meisterschaft und dem damit verbundenen Aufstieg. Hartheim schaffte noch ein bis zwei ordentliche Angriffe über den schnellen Döring, doch Gefahr gab es für unseren Keeper Gustav nie. So gingen wir mit der knappen Führung in die Pause. Hartheim schwor sich auf dem Feld nochmal ein, schließlich wollten sie […] die Tabellenspitze wieder zurückerobern. Der zweite Durchgang aber startete aus Hartheimer Sicht wenig erfreulich, um nicht sogar zu sagen katastrophal. Wir kombinierten über rechts, ich wollte den völlig freistehenden Krause mit einer Flanke bedienen, doch mit Hilfe des Bodens rutschte ich mit meinem Standbein weg und die Kugel flog unhaltbar für den Gegnerischen Torwart in die Maschen. Das Zwei zu Null aus unserer Sicht und alles sah nach dem sicheren Aufstieg aus. Doch innerhalb von fast fünf Minuten drehte sich das Blatt wieder. Wir wirkten verunsichert, ich wusste selbst nicht wieso, und schenkten der Spielgemeinschaft plötzlich den Ausgleich. Nach einem Eckball fühlte sich keiner zuständig für Turan Berkam, der aus dem Gewühl den überraschenden Anschlusstreffer erzielte. Es war einer der Neuzugänge, vor denen ich mich bereits vor dem Spiel […] (gefürchtet hatte). Kurze Zeit später segelte ein langer Ball in unseren Strafraum, Niemeyer und van Gunst agierten nach dem Motto, nimm Du ihn, ich hab ihn sicher und Schlitzohr Ahmetaj […] (ließ) sich nicht zweimal bitten und traf aus 8 Metern mit links direkt in den Giebel. Und so schnell waren die Träume von der Kreisliga A verpufft. Mit schwindender Zeit wurde merkbar, dass bei beiden Mannschaften die Kräfte weniger wurden und es zu mehr Foulspielen kam. Dennoch drückten wir auf dieses allzu wichtige Tor, aber die Angriffe wurden meist zu ungenau ausgespielt. Einziger Brandherd war immer wieder Lukas Krause, doch der junge Angreifer hatte schnell seinen Meister im gegnerischen Torwart gefunden. Die Uhr des Unparteiischen zeigte die 89. Spielminute an, die wohl ewig in unseren Köpfen festsitzen wird. Außenverteidiger Francesco, der gebürtiger Italiener war, machte dem italienischen Temperament aller Ehren und grätschte mir, nachdem ich ihn getunnelt hatte und das Stadion in lautes Gelächter ausbrach, von hinten in die Beine. Ich wälzte mich vier Mal auf dem Boden und schrie wie meine Frau, wenn mal wieder der Postbote von Zalando morgens vor der Tür stand. Dem Schiedsrichter blieb keine andere Möglichkeit als ihm die rote Karte zu zeigen. Nun wurde es hektisch. Alle Spieler der gegnerischen Mannschaft rannten mit roten Köpfen zum Schiedsrichter und schrien ihn an. Ich roch förmlich den Rauch aus ihren Köpfen, doch beim genauen Riechen merkte ich, dass ein Stadiongast hinter mir eine Zigarette anzündete. Ich kannte den Geruch. Es war dieselbe Marke(,) die ich rauchte. Meine Jungs kamen sofort zu mir und erkundigten sich um meinen Gesundheitsstand. Es ging mir gut ich hatte mich lediglich theatralisch fallen lassen, um die rote Karte zu provozieren. Ich sah, wie der Schiedsrichter nun auch körperlich angegangen wurde und ich eilte mit meinen Mannschaftskollegen zur Hilfe. Es war eine Rudelbildung, die ich zuvor in so einem Ausmaß noch nie erlebt hatte. Für die Zuschauer hatten sich allein mit dieser Situation die fünf Euro Eintritt gelohnt. Als diese sich langsam beruhigte, wurde mir […] (ein) Freistoß zugesprochen. Ich nahm den Ball in die Hand und legte ihn mir zurecht. Ich ging drei Schritte zurück, so wie ich es im Training zwei Tage zuvor geübt hatte. Meine Knie zitterten, es herrschte völlige Ruhe im Stadion. Man hätte eine Stecknadel fallen hören können. Ich holte zwei […] (Mal) tief Luft. Es waren zwei kurze Atemzüge. Sie pfiffen. Der Schiedsrichter gab den Ball frei und ich lief an. Ich versuchte(,) den Ball mittig zu treffen um ihn so hart wie möglich aufs Tor bringen zu können. Das Licht ging aus. Ich sah nichts mehr. Ich hatte die Augen geschlossen. Ich traute mich nicht(,) dem Ball hinterher zu schauen. Ich wartete. Ich wartete auf einen Torschrei oder irgendein anderes Zeichen. Es kam mir vor wie eine Ewigkeit. Und dann war es so weit. Ich hörte laute Jubelschreie. Zuerst von den Fans, dann von meinen Mannschaftskollegen. Ich öffnete die Augen. Ich hatte es geschafft. Ich hatte unsere Mannschaft zur Meisterschaft geschossen. Ich sah meine Mitspieler mit in den Himmel empor gestreckten Armen auf mich zurennen. Für unsere Gegner sichtlich ein Schlag ins Gesicht, doch ich konnte meine Gefühle nicht bändigen. Ich war erleichtert. Ich schrie. Ich schrie wie ein Verrückter und einer meiner Mitspieler riss mich von hinten auf den Boden. 10 Mann sprangen auf meinem Rücken. Ich bekam kaum noch Luft, doch es war mir in diesem Moment egal. Ich hörte noch einen Pfiff. Es war der Schlusspfiff. Das Spiel war aus. Und jetzt konnten sich auch die 3000 Fans nicht mehr zurückhalten. Sie stürmten den Platz. Ein Spieler nach dem anderen stieg von mir herunter und ich blieb noch eine Zeit lang regungslos am Boden liegen. Ich hörte eine zärtliche Stimme sagen(:) ,,Du hast es geschafft! Du bist mein Held!“. Es war meine Frau. Ich blickte auf und sah ihr in die Augen. Ich war der glücklichste Mann auf der ganzen Welt. Ich stand auf und nahm sie fest in die Arme, küsste sie und mir kamen die Tränen. Es war geschafft! Der Aufstieg in die Kreisliga A stand fest und die Erleichterung war uns anzumerken.

 

Legende: [...] - Auslassung; (...) - Ergänzung

 

Für die Deutsch-Unterricht begeisterten hier die Aufgaben zum Text:

 

 

  1. Welche Assoziationen ruft der Titel der Kurzgeschichte ,,Kreisliga-Wenn der Fußball zur Nebensache wird!“ bei dir hervor?

  2. Lies dir die Geschichte noch einmal durch. Kläre zunächst das Thema der Kurzgeschichte und stelle anschließend eine Deutungshypothese auf.

  3. Schreibe eine Inhaltsangabe zur Kurzgeschichte.

  4. Untersuche die Beziehungen der Personen in der Geschichte. Achte dabei vor allem auf die Beziehungen: Ich-Erzähler – seiner Frau

    Ich-Erzähler – Mannschaftskollegen/ Verein

    Ich-Erzähler – Trainer

    Ich-Erzähler – seine Gegner

  5. Charakterisiere die Hauptperson der Kurzgeschichte.